Nachdem der geschlossene Test beendet ist, hat OCLC seine WorldCat Search API nun zur (fast, s.u.) offenen Nutzung freigegeben. Als Schnittstelle wird REST genutzt, über die man Anfragen in OpenSearch oder dem SRU Protokol (CQL) entsprechend senden und die WorldCat Datenbank durchsuchen kann (technische Details). Die Antworten erhält man je nach Art der Anfrage in Atom oder RSS für OpenSearch oder bei einer Suche mittels SRU in MARC XML oder Dublin Core. Auch der Abruf einzelner Datensätze ist direkt möglich, dieser sogar mit den geografischen Informationen zu den Bibliotheken.
Der kleine Haken an der Sache ist, dass die API nur mit einem Zugangscode benutzbar ist, der laut Aussage von OCLC nur einem bestimmten Nutzerkreis zusteht. Bibliotheken, die das CBS nutzen, sollten hier aber kein grosses Problem haben, einen Key zu erhalten.
Zumindest ist dies ein weiterer Schritt in die richtige Richtung, Bibliothekskataloge mit einfachen (aber umfassenden), webbasierten Schnittstellen zu versehen und so Bibliotheken und ihre qualitativ hochwertigen Daten stärker im Web 2.0 zu verankern.
Zum Tode Joseph Weizenbaums und damit einem der wohl bekanntesten Querdenker der Computerwissenschaft am 5.3.2008 bleiben nicht mehr viele Worte zu sagen ausser vielleicht auch an dieser Stelle seine letzte E-Mail zu zitieren:
"Unser Tod ist der letzte Service, den wir der Welt leisten können: würden wir nicht aus dem Weg gehen, würden die uns folgenden Generationen die menschliche Kultur nicht wieder frisch erstellen müssen. Sie würde starr, unveränderlich werden, also sterben. Und mit dem Tod der Kultur würde alles Menschliche auch untergehen."
Letzten Dienstag (5.2.) war es soweit: der Rohbau des neuen Lesesaals der Staatsbibliothek zu Berlin im Haus Unter den Linden wurde vollendet und dies mit einem Richtfest begangen. Bis zur endgültigen Fertigstellung im nächsten Jahr ist es die größte öffentliche Baustelle in Berlin und gleichzeitig die am wenigsten sichtbare, da sich alles hinter den historischen Gemäuern des Ihne-Baus abspielt. Vielleicht lassen ein paar Bilder die Dimensionen des neuen Glaskubus erahnen lassen:
OCLC scheint weiter auf Einkaufstour zu sein. Jetzt vermeldet ResourceShelf, dass der amerikanische Bibliotheksdienstleister die Authentifizierungssoftware EZProxy von deren Entwickler Chris Zagar und seiner Firma Useful Utilities übernommen hat. Beim EZProxy, der im amerikanischen Raum weit verbreitet ist, handelt es sich um einen sogenannten Rewrite-Proxy, der es Bibliothek ermöglicht, Benutzern auch ausserhalb des jeweiligen Bibliotheks- oder Universitätsnetzwerks Zugang zu Online-Ressourcen zu gewähren, auch wenn diese via IP mit der jeweiligen Netzadresse authentifiziert werden. Dazu werden in der Software spezielle URLs generiert, die jeweils einen Zugang z.B. zu einer Online-Datenbank repräsentieren. Der Benutzer ruft dann diese URL auf, muss sich am EZProxy z.B. gegen das jeweilige Bibliothekssystem authentifizieren und wird dann zur Datenbank weitergeleitet. Bei der Weiterleitung werden jedoch alle HTML-Seiten so geparst, dass sämtliche Links u.a. vom EZProxy umgeschrieben werden (daher Rewrite-Proxy) und der Nutzer so immer wieder über den EZProxy und somit mit der IP-Adresse der Bibliothek mit der Datenbank kommuniziert.Vorteil dieses Verfahrens ist, dass der Benutzer hierbei keine Proxyeinstellungen in seinem Browser verändern muss und er von überall auf solche Bibliotheksangebote zugreifen kann.
Laut der Pressemitteilung plant OCLC, Installationen vom EZProxy von einzelnen Bibliotheken direkt im WorldCat einzubinden, so dass Nutzer komfortablen Zugriff auf entsprechende Ressourcen im Netz haben soll. Ich kann mir jedoch nur schwer vorstellen, dass hierzu gleich der komplette Erwerb der Software nötig wäre. Interessante Möglichkeiten stehen hier offen - vielleicht müssen wir bei Lizenzierungen bald nicht mehr nur national oder europaweit, sondern sogar weltweit denken?
Unter dem Titel "Never run a changing system? - Über die Chancen des Einsatzes "Sozialer Software" in der Bibliotheksarbeit" (wem der Autoren ist dieses schicke Wortspiel eingefallen?) haben die Kollegen Heller, Plieninger und Stabenau einen wirklich lesenswerten Artikel in der aktuellen Ausgabe von B. I. T. online veröffentlicht. Sie beschreiben dabei nicht nur die Einsatzmöglichkeit "Sozialer Software" in Bibliotheken, sondern setzen diese auch kritisch in Bezug zur "realen" Bibliothekswelt, welche mit ihren institutionellen Gerüsten nicht immer der Idee "2.0" förderlich ist. Dies driftet aber nie ins Negative ab, sondern zeigt für einzelne Web-2.0-Anwendungen am konkreten Beispiel an, wo und wie (trotz aller Hürden) diese am besten eingesetzt werden können. Leseempfehlung!
Heute bin ich über einen Beitrag des Elektrischen Reporters vom Mai diesen Jahres gestoßen. Interviewt wird Dick Hardt, seines Zeichens Gründer von Sxip Identity, einem Unternehmen, welches Lösungen für das Identity Management anbietet. Dick schreibt auch ein eigenes Blog Identity 2.0 und hat bereits vor zwei Jahren mit einer "legendären" Präsentation den Begriff Identity 2.0 geprägt.
Der Beitrag des Elektrischen Reporters bietet einen sehr guten Einstieg in den Themenbereich Identity und Identity Management und zeigt sehr deutlich, warum dieses Thema nicht nur für große Institutionen wichtig ist, sondern immer mehr zum zentralen Punkt auch im Web 2.0 werden wird. Denn wer kennt das Problem nicht, bei diversen Web-2.0-Anwendungen registriert zu sein und sich jedes Mal neu fragen zu müssen, welches Login und welches Passwort für welchen Dienst nun genutzt werden muss.
Im übrigen bietet Sxip Identity eine Firefox extension namens Sxipper, welche die Nutzung meiner persönlichen Daten auf verschiedenen Sites vereinfacht und sicherer machen soll. Selbst habe ich es noch nicht getestet, die FAQ läßt aber interessantes erahnen.
Wer sich noch weiter mit dem Thema Identitäten im Web 2.0 beschäftigen möchte, dem empfehle ich einen Blick ins Read/WriteWeb-Blog mit dem Beitrag Overview of the Identity Landscape ebenfalls vom Mai diesen Jahres. Sean Ammirati berichtet vom Internet Identity Workshop und fasst kurz und knapp Systeme, Frameworks und Protokolle der Identity Landscape zusammen. Es finden sich viele lohnenswerte Links für diejenigen, die sich detaillierter mit dem Thema beschäftigen wollen. Auf keinen Fall versäumen sollte man einen Blick auf die im Workshop entstande Identity-Landscape!
Business First of Columbus - eine lokale Wirtschaftszeitung aus Columbus, Ohio - vermeldete bereits am Dienstag, dass das Online Computing Library Center (OCLC) nun auch die restlichen 40% der OCLC Pica Group übernommen hat. Im Jahre 2000 stieg OCLC stieg mit 60% bei PICA ein, welches dann seit 2002 den gemeinsamen Namen OCLC Pica trug. Wie OCLC Pica dazu vermeldet,bleibt Rein van Charldorp als Managing Director im Amt.
VideoJug (mit dem Untertitel Life explained. On Film.) ist mir darüber auch zum ersten Mal untergekommen. Man kann sich ziemlich viele erklären lassen - z.B., wie man sich eine iPod-Tasche strickt.
Read/WriteWeb hat heute auf ein ganz nettes Video von Davide Casaleggio verwiesen, in dem über die Zukunft des Webs in den nächsten 40-50 Jahren fantasiert wird. Google wird Microsoft aufkaufen, Amazon kauft Yahoo und Second Life wird die einzig wahre virtuelle Welt. Am Ende driftet es alles ziemlich in Science Fiction, die knapp sechs Minuten unterhaltsamer Film lohnen aber einen Blick.
Wirklich neu für mich in dem Video ist der Begriff Prosumer, der mir bislang noch nicht über den Weg gelaufen ist. Als Mischung zwischen Producer und Consumer (von Inhalten) stellt er eine interessante Bezeichnung ein für Erzeuger der user-generated-content.
In der netbib Bibliothek 2.0 gab es ja auch eine kleine Diskussion über den Nutzer2.0 als Ergänzung zum Bibliothekar2.0. Wie würde wohl dieser heißen? Im Anglo-Amerikanischen gäbe es mit Patrorian (Patron + Librarian) vielleicht eine ganz gute Lösung. Aber im Deutschen? Vielleicht Leserthekar (Leser + Bibliothekar)? Oder Biblutzer (Bibliothekar + Nutzer)?
Wer schon immer einmal wissen wollte, was sich hinter Shibboleth eigentlich verbirgt, kann sich jetzt in einer sehr schönen Animation (auch in einer Version mit englischen Untertiteln verfügbar) von JISC das Thema federated access management näher bringen lassen.
Langsam laufen für dieses Thema die Bibliotheken warm, zumal auch die deutsche Shibboleth-Föderation unter dem Dach des DFN vor der Tür steht. Alle Infos finden sich unter dem DFN-AAI Portal. Wer jetzt meint, dies sie nur ein Thema für Rechenzentren (und für Bibliotheken uninteressant), der ist vielleicht überrascht zu hören, dass vor allem Bibliotheken Shibboleth in Deutschland vorangetrieben haben, allen voran die Kollegen der UB Freiburg. Interessant ist in diesem Zusammenhang sicher auch, dass die Verbundzentrale des GBV für die deutschlandweite Föderation die Virtual Home Organisation betreiben wird.
Als eine der ersten "Anwendungen" stehen in Deutschland die Nationallizenzen in den Shibboleth-Startlöchern. Bei der Umstellung auf das neue Registrierungsverfahren für Einzelnutzer wurde darauf geachtet, dass sämtliche Daten und Prozesse shibboleth-konform sind, so dass eine Umstellung später kein grosses Problem mehr darstellen wird.
Bibliotheken werden von Thema früher oder später voll erfasst werden, sowohl als Identity Provider (so sie nicht in ein universitäres Umfeld eingebettet sind und ein Rechenzentrum dafür sorgen wird) als auch als Service Provider - in Zukunft wird von eigenen Informationsangeboten (wenn sie authentifizieren und autorisieren) erwartet werden, dass sie Shibboleth sprechen. Und wenn einmal ganz Deutschland Shibboleth kann, wird es die Aufgabe der Bibliotheken sein, solche elektronischen Ressourcen, die nicht Shibboleth können, shibbolethfähig zu machen (z. B. über einen Proxy o.ä.)
Mit der Einführung von Shibboleth wird viel Arbeit auf die Bibliotheken zukommen - ist es aber erst einmal etabliert, wird das Anbieten elektronischer Ressourcen sehr viel einfacher und flexibler werden!
Gerrit Gragert - Magister Artium der Bibliothekswissenschaft und der Informatik, Lehrbeauftragter am Institut für Bibliotheks- und Informationswissenschaft der Humboldt-Universität zu Berlin, Beschäftigt in der IT-Abteilung der Staatsbibliothek zu Berlin Preussischer Kulturbesitz